(21.12.2018)

 

Meine verehrten Geschwister!

Im rezitierten edlen Vers wird die Schöpfungsgeschichte des Menschen wie folgt beschrieben: “Und als dein Herr zu den Engeln sagte: „Ich will auf der Erde einen Kalif einsetzen“, da sprachen sie: „Willst du auf ihr einen einsetzen, der auf ihr Verderben anstiftet und Blut vergießt? Und wir verkünden dein Lob und heiligen dich.“ Er sagte: „Ich weiß, was ihr nicht wisst.“1

Wie im edlen Vers zum Ausdruck gebracht wird, verrichteten die Engel ihre Gottesdienste gegenüber dem erhabenen Allah, lobten und preisten Ihn auf schönste Weise bis Adam (s) geschaffen wurde. Aber Allah, der Erhabene, schuf den Menschen als ein Wesen mit Verstand, das die Fähigkeit besitzt, die Wahrheit zu erkennen, aus eigenem freiem Willen heraus Allah zu lobpreisen. Allah belohnte den Menschen dadurch, dass Er ihn von den anderen Geschöpfen hervorhob, ihn ehrenvoll und wertvoll machte.

Verehrte Gläubige!

Der Mensch, der aufgrund des ihm gewährten Verstandes und Willens im irdischen Leben nicht herrenlos2 im Stich gelassen wurde und deswegen sogar von den Engeln geachtet wird, hat die folgende Aufgabe aus den Versen des Korans zugewiesen bekommen: „Und Ich habe die Dschinn und die Menschen nur (dazu) erschaffen, damit sie Mir dienen.”3 Das irdische Kalifat des Menschen wurde an die Bedingung des Glaubens und an rechtschaffene Werke geknüpft. Mit der Annahme dieses Amtes als Kalif Allahs hat der Mensch sowohl gegenüber seinem Schöpfer, Allah, als auch gegenüber dem ganzen Universum eine schwere Verantwortung und Pflicht übernommen.4 Der Mensch ist in der Lage, dieser ihm aufgetragenen Verantwortungen gerecht zu werden und fähig, diese Aufgaben erfolgreich zu realisieren, solange er seiner natürlichen Veranlagung (Fıtra) loyal bleibt. Er ist sich bewusst, dass diese Möglichkeiten, Gaben Allahs sind, die dem Menschen zielgebunden und mit einer Aufgabe verknüpft, übertragen wurde. Auch weiß der Mensch, dass er diese Aufgabe im Sinne und für das Wohlwollen Allahs zu erledigen hat und dementsprechend zu handeln hat.

Meine Geschwister!

Ein anderes Wesen im Abenteuer des Menschen, das sich Leben nennt, ist der Teufel. Aufgrund des Geheißes des erhabenen Allahs: „Ich weiß, was ihr nicht wisst.”5, zollten die Engel Adam (s) den erforderlichen Respekt und die erforderliche Hochachtung. Aber der Teufel widersprach, indem er seinen Vorzug über dem Menschen beteuerte. Dieser Einspruch des Teufels hatte zur Folge, dass er aus der Gegenwart Allahs verbannt wurde und sich den Menschen zum Feind nahm. Daraufhin machte er es sich zum Ziel, den in “schönster Gestalt” erschaffenen Menschen dieser Eigenschaft zu berauben und ihn in die „niedrigste der Niedrigen” Stellungen zu bringen.6

Eigenschaften des Menschen wie Unwissenheit, Unterdrückung, Blutvergießen, Quertreiberei, Ungeduld, Habgier, Geiz, Erliegen vor den Begierden sowie Undankbarkeit scheinen für den Teufel sehr reizend zu sein. Der Mensch sollte aber dafür eifern, sich gegen trügerische Einflüsterungen und Fallen des Teufels zu stellen und seinen eigenen Schöpfungszweck nicht zu vergessen. Schließlich entfremdet sich der Mensch und verliert – durch Missbrauch aller Möglichkeiten, die ihn zum Besten der ganzen Schöpfung machen könnten, seine Tugendhaftigkeit und seinen Wert als Kompass seines Schöpfungszwecks. Dies kann sogar so weit gehen, dass sich der Mensch das Böse zu seiner eigenen Wesenseigenschaft macht und somit zu einem niederen Wesen verkommt, das keinerlei sinngebende Anzeichen mehr besitzt außer zu leben.7

Meine ehrenwerten Geschwister!

Der Gläubige sollte sich jederzeit darum bemühen, seinen Bund mit Allah zu halten und seine Gottesdienste gebührend zu verrichten. Dieses Ziel verleiht der weltlichen Existenz des Menschen einen Sinn und erlöst ihn von Leere, Herrenlosigkeit und Werteverlust. Es verleiht dem Leben eine Disziplin. Es lehrt uns, jeden Atemzug, jeden Augenblick und jeden Moment zu verwerten. Es verhilft dem Menschen, seine Beziehung mit sich selbst, mit seiner Umwelt und mit seinem Schöpfer, Allah, zu regeln. Der Ertrag der Bemühungen – vorrangig gemäß dem Wohlwollen und der Zufriedenheit Allahs zu eifern, den Menschen und der ganzen Schöpfung nützlich zu sein – wird dieses Ziel sich als Segen für unser Leben und als Glück für unsere Familie wiederspiegeln.

Wir sollten wissen, dass der Mensch seine Verantwortung gegenüber Allah nicht so erfüllen kann, wie er es sich selbst vorstellt, sondern vielmehr sich dem Wohlwollen Allahs entsprechend aufrichtig zu untergeben hat, um somit die Welt kultiviert zu gestalten und degenerierte Werte zu restaurieren.

 

Die DITIB-Predigtkommission

 

1  Koran, al-Bakara, 2/30
2 Koran, al-Qiyama, 75/36                                                                                             
3 Koran, ad-Dhariyat, 51/56
4 Koran, al-Ahzab, 33/72                                            
5 Koran, al-Baqara, 2/30                                           
6 Koran, at-Tin, 95/4-5
7 Kur’an Yolu Tefsiri 5/648

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