(16.08.2019)

 

Meine werten Geschwister!‎

Eines Tages kam ein Gefährte zu unserem ‎Propheten (s) und sagte: “O Gesandter Allahs, ‎kannst du mir etwas, woran ich mich fest ‎anklammere, empfehlen?” Daraufhin empfahl ‎unser geliebter Prophet: “Sage: Mein Gott ist ‎Allah; und sei dann aufrichtig.” Derselbe Gefährte ‎fragte den Propheten: “Was ist das, wovor du dich ‎bezüglich meiner Person am meisten fürchtest?” ‎Daraufhin zeigte der Prophet mit seiner Hand auf ‎die eigene Zunge und sagte: “Also diese Zunge von ‎dir!1

Meine werten Geschwister!‎

Die Art und Weise des Sprechens widerspiegelt die ‎Persönlichkeit des Menschen. Gefühle im Herzen, ‎Gedanken im Kopf, Wünsche und Forderungen ‎werden durch das Sprechen geäußert. Der ‎Mensch verschafft sich gemäß seines Sprechens ‎Geltung. Oder er begegnet Verwunderung ‎aufgrund seines Sprechens. Allen voran macht die ‎Fähigkeit des Sprechens schließlich den ‎Unterschied zwischen Mensch und anderen ‎Geschöpfen aus. Es gibt süße Worte, die ‎Schlangen aus der Lauer locken. Worte gibt es, die ‎unbarmherzig sind. Sie hinterlassen tiefe Wunden ‎im Herzen. Sie zetteln Konflikte zwischen ‎Menschen an und erfüllen Menschen mit Hass.‎

Schönes Sprechen erfordert zu wissen, was und ‎wo, sowie wann und wie anzusprechen ist. ‎Schließlich sagte unser Prophet: “Wer an Allah und ‎den jüngsten Tag glaubt, soll entweder schön ‎sprechen oder schweigen.”2 Es wird überliefert, ‎dass er häufig wie folgt betete: “O Allah! Ich ‎nehme Zuflucht vor dem Bösen was meine Zunge ‎anrichtet.”3‎

In unserem erhabenen Buch wird zu schönen und ‎gepflegten Worten folgendes gesagt: “Siehst du ‎nicht, wie Allah ein Gleichnis prägte: Ein gutes ‎Wort ist gleich einem guten Baum, dessen Wurzel ‎fest ist und dessen Zweige in den Himmel reichen ‎und der seine Frucht zu jeder Zeit gibt mit seines ‎Herrn Erlaubnis. Und Allah macht die Gleichnisse ‎für die Menschen, damit sie sich ermahnen ‎lassen.”4‎

In der Fortführung des Verses wird zu schlechten ‎und unangenehmen Worten folgendes Beispiel ‎angeführt: “Und das Gleichnis eines schlechten ‎Wortes ist ein schlechter Baum, der aus der Erde ‎entwurzelt ist und keine Festigkeit hat.”5

Unser geliebter Prophet (s) ist stets unser bestes ‎Vorbild zu allen Themen. Er war auch beim ‎Sprechen stets liebevoll, fürsorglich, barmherzig ‎und lächelnd. Er hat nicht ständig selbst geredet. ‎Er bot auch für andere die Möglichkeit, zu ‎sprechen. Diese Art des Sprechens von ihm wird in ‎einem edlen Vers wie folgt gelobt: “Durch ‎Barmherzigkeit von Allah warst du mild zu ihnen; wärest du ‎aber rau und harten Herzens gewesen, so wären sie ‎wahrlich rings um dich auseinandergelaufen. Darum vergib ihnen und bete für sie um Verzeihung und ‎ziehe sie zu Rate in der Sache; und wenn du dich ‎entschlossen hast, dann vertrau auf Allah; Allah liebt die auf ‎ihn Vertrauenden.”6‎

Folglich sollten wir als Muslime gemäß der ‎Definition von Muslimen handeln: „Der Muslim ist ‎derjenige, vor dessen Hand und Zunge sich die ‎Menschen sicher sind.“7 Daher sollten wir bei ‎unserer Ausdrucksweise darauf achten, die ‎Menschen nicht zu kränken. Wir sollten damit ‎auch keinen Widerwillen hervorrufen. Unsere ‎Worte sollten Weisheit beinhalten. Sie sollten ‎lehrreich sein. Unsere Worte sollten die Würde ‎und Ehre des Menschen achten und erhöhen. Wir ‎sollten uns davor hüten, übel nachzureden, ‎Gerüchte zu verbreiten. Hüten sie sich, böse ‎Gedanken zu hegen. Und hüten sie sich, ‎abscheuliche Worte zu verwenden. Schließlich ‎würden wir dadurch unseren Wert bei Allah ‎verlieren. Dadurch würden wir auch unseren Wert ‎bei den Menschen verlieren. Wir dürfen die ‎Redewendung unserer Vorfahren nicht vergessen: ‎‎„Die Wunde eines Messers verheilt. Die Wunde ‎des Herzens verheilt dagegen nicht.“‎

Ich beende meine Freitagspredigt mit den ‎lehrreichen Worten von Yunus Emre. Darin wird ‎die Macht von Worten prägnant zum Ausdruck ‎gebracht:‎

Worte gibt es, die beenden Kriege
Worte gibt es, die lassen Köpfe rollen
Worte gibt es, die vergiftete Speis
Mit einem Worte verwandeln zu Honig und Butter ‎

 

Die DITIB-Predigtkommission

 

1‎ at-Tirmidhi, Zühd, 60‎                                                      
2 Bukhari, Adab, 31    
3 Abu Davud, “Witr”, 32; at-Tirmidhi “Daawât”, 74‎
4 Koran, Ibrahim, 14/24-25                                             ‎
5 Koran, Ibrahim, 14/26 
6 Koran, Al-i Imran, 3/159‎
7 at-Tirmidhi, Iman, 8‎

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